Sich sicher im Körper fühlen – ein Schritt-für-Schritt-Ansatz
Nach dem Ansatz von Deirdre Fay (Becoming Safely Embodied) – begleitet durch Yogatherapie
Die Arbeit von Deirdre Fay inspiriert mich seit einiger Zeit sehr. In ihrem Buch Becoming Safely Embodied beschreibt sie, wie Menschen – insbesondere nach belastenden Erfahrungen – wieder ein Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper entwickeln können. Ein zentraler Gedanke dabei: Fähigkeiten stehen uns vor allem dann zur Verfügung, wenn sie durch Wiederholung so verankert sind, dass sie auch in herausfordernden Momenten abrufbar bleiben.
Genau hier setzt die Yogatherapie an. Über einen gewissen Zeitraum üben KlientInnen ein individuelles Programm, das auf ihre Ressourcen und Bedürfnisse abgestimmt ist. Auf der Matte entstehen erste Momente, in denen Sicherheit bewusst spürbar wird – im eigenen Tempo, ohne Druck, ohne Vergleich. Durch regelmäßige Praxis verankern sich diese Erfahrungen im Körper. Schritt für Schritt kann so ein tieferes Vertrauen entstehen – und das Gefühl, im eigenen Körper wieder zuhause zu sein.
Auch meine eigene Yogapraxis hat diese Verbindung von Körper, Geist und innerem Erleben gestärkt. Sie wirkt für mich wie ein Anker, besonders in Momenten innerer Unruhe, und hilft mir, mich immer wieder neu auszurichten.
Wenn der eigene Körper sich nicht sicher anfühlt
Viele Menschen kommen nicht in die Yogatherapie, um beweglicher zu werden – sondern weil sich etwas in ihnen angespannt, unruhig oder fremd anfühlt.
Manchmal zeigt sich das als:
diffuse innere Unruhe
Schmerzen ohne klare Ursache
das Gefühl, nie wirklich „anzukommen“
Der Körper wird dann nicht als Zuhause erlebt, sondern eher als etwas, das kontrolliert oder vermieden wird. Nach Deirdre Fay ist das oft Ausdruck eines Nervensystems, das gelernt hat, wachsam zu bleiben – ein Körper, der weiterhin reagiert, als wäre Gefahr da, selbst wenn sie längst vorbei ist.
Warum Verstehen allein nicht reicht
Viele versuchen zunächst, über Nachdenken weiterzukommen: analysieren, reflektieren, einordnen. Das kann hilfreich sein – aber der Körper folgt nicht automatisch dem Verstand. Ein Gedanke wie „Ich bin sicher“ verändert wenig, wenn das Nervensystem etwas anderes erlebt.
Sicherheit ist keine Überzeugung.
Sicherheit ist eine Erfahrung.
Sicherheit im Körper entsteht durch Erfahrung
Sich im eigenen Körper sicher zu fühlen, ist kein Zustand, den man einmal erreicht. Es ist eine Fähigkeit, die sich entwickelt – durch wiederkehrende, verkörperte Erfahrungen.
Dabei geht es nicht darum, etwas zu „reparieren“, sondern dem Körper neue Möglichkeiten zu zeigen:
dass Bewegung sich sicher anfühlen kann
dass Atmung regulierend wirkt
dass Wahrnehmung nicht überwältigend sein muss
Mit der Zeit entsteht daraus Vertrauen in die eigene innere Erfahrung.
Die Rolle der Yogatherapie
Genau hier wird die Yogatherapie konkret erfahrbar.
Im eigenen Tempo
Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Stattdessen entsteht Raum für Pausen, Anpassungen und Wahlmöglichkeiten. Das Nervensystem bekommt die Chance, mitzuhalten – und Sicherheit kann sich überhaupt erst entwickeln.
Durch Wiederholung
In der Praxis dürfen Erfahrungen sich wiederholen: den Atem spüren, Bewegungen achtsam ausführen, innehalten.
Nicht, um besser zu werden – sondern um vertrauter zu werden.
Jede dieser Erfahrungen sendet eine einfache Botschaft:
Das ist machbar. Das ist sicher genug.
Den Körper neu erleben
Der Körper wird nicht länger als Problem betrachtet, sondern als Zugang – zu Regulation, Wahrnehmung und Selbstkontakt.
Was sich zuvor angespannt oder fremd angefühlt hat, kann sich allmählich verändern.
Ein neuer Blick auf Heilung
Sowohl in der Arbeit von Deirdre Fay als auch in der Yogatherapie geht es nicht darum, etwas „wegzumachen“.
Vielmehr entsteht etwas Neues. Ein Gefühl von
„Ich kann hier sein.“
„Ich halte das aus.“
„Ich bin mit meinem Körper – nicht gegen ihn.“
Fazit
Sich im eigenen Körper sicher zu fühlen, ist kein Ziel, das man abhaken kann. Es ist eine Beziehung, die Zeit, Aufmerksamkeit und Übung braucht. Yogatherapie kann dafür einen Raum öffnen – einen Raum, in dem Sicherheit nicht gefordert wird, sondern entstehen darf.
Vielleicht beginnt alles mit einem einfachen Moment: dem Spüren des eigenen Atems.
Hier. Jetzt.
Ein erster Schritt auf dem Weg, im eigenen Körper wieder zuhause zu sein.